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Wednesday, October 19, 2011

Realistische Erwartungen an den "Euro-Krisen-Gipfel"

Das stärkste Signal, das EU-Eliten am Wochenende geben können und sollen, ist, dass sie sich wie souveräne Risikomanager geben, die einfach nicht die Aufregung verstehen, die überall geschürt wird. „Warum ist diese Aufregung ist nicht gerechtfertigt?“, werden die Medien fragen. „Weil wir alles im Griff haben und auch für alles gerüstet sind! Haben Sie konkrete Fragen?“ Ja, werden die Medien sagen und diese Fragen dann auch stellen.

„Was werden Sie tun, wenn Großbanken zusammenbrechen?“ – Keine Sorge! Wir haben schon für jede einzelne dieser Banken vorsorglich Auffanggesellschaften gegründet. Der operative Betrieb dieser Banken würde ganz normal weitergehen, die Aktionäre verlieren jedoch ihr Eigenkapital. Die Sparer haben absolut nichts zu befürchten.

„Wollen Sie den Banken Zwangskapital aufdrängen?“ – Absolut nicht. Wenn die Banken kein Kapital brauchen, dann werden wir ihnen auch keines aufdrängen. Wir werden aber von den Banken verlangen, dass sie ihre Staatsanleihen binnen Monatsfrist auf realistische Marktpreise wertberichtigen. Wenn sie dann immer noch kein Kapital brauchen, werden wir uns freuen. Wenn schon, dann werden wir es – auf Ansuchen der Banken - bereitstellen mit all den Rechten und Pflichten, die einem Eigentümer zustehen.

„Woher soll das ganze Geld kommen, das möglicherweise benötigt wird?“ – Aus den jeweiligen nationalen Budgets. Ein Kapitaleinschuss ist keine Haushaltsausgabe, sondern eine Investition, die später einmal – hoffentlich mit Gewinn – wieder verkauft werden kann.

„Was machen Sie, wenn Italien in den Sog gezogen wird?“ – Wir machen zunächst einmal gar nichts. Italien wird sich einfallen lassen müssen, was es macht und wie wir dabei helfen können. Wahrscheinlich würde es darauf hinauslaufen, dass wir Italien eine Direktfinanzierung im Vorrang gegenüber anderen Gläubigern anbieten.

"Würde dann nicht der Geld- und Kapitalmarkt zusammenbrechen?" -  Nur dann, wenn die Märkte meinten, dass wir nicht wissen, was wir tun oder tun sollten. Wir wissen aber genau, was wir tun und tun müssen.

„Wie geht es mit Griechenland weiter?“ – Ganz normal. Griechenland wird seine Schulden mit bestehenden Gläubigern umschulden und zwar so, dass der Haushalt vom Zinsendienst erheblich entlastet wird. Wir werden jedoch bereit sein, Griechenland weiterhin sein Haushaltsdefizit in vorher vereinbarter Höhe zu finanzieren. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn Griechenland mehr Geld braucht (beispielsweise, weil via Kapitalflucht Geld abfließt), dann muss es dieses Geld von anderswo auftreiben. Außerdem werden wir Griechenland zur Seite stehen und einen Entwicklungsplan für den Aufbau einer gesunden und wettbewerbsfähigen griechischen Wirtschaft gemeinsam erarbeiten.

„Und wenn es zu einem Default Griechenlands kommt?“ – Dann kommt es zu einem Default. Kennen Sie die Liste aller Länder, die in den letzten Jahrzehnten einen Default hatten und denen es heute wieder gut geht? Die Banken betrifft das nicht, denn die werden ja ihre Staatsanleihen bereits wertberichtigt haben (siehe oben).

„Kein Haircut?“ – Absolut nicht! Eine Umschuldung und ein Haircut sind 2 verschiedene Dinge. Wir bestehen auf Umschuldung, weil Griechenland es schaffen kann.

„Wird der Euro überleben?“ – Wir verstehen die Frage nicht. Der Euro ist heute gegenüber dem US Dollar fast 20% mehr wert als bei seiner Einführung. Wo ist seine Schwäche?

„Wenn alles so einfach ist, warum hat man dann bisher über Rettungspakete in 3-stelligen Milliardenbeträgen verhandelt?“ – Weil wir bisher gemeint haben, dass wir den Banken ihr gesamtes Staatsanleihenrisiko der nächsten 10 Jahre abnehmen müssten. Das war ein Fehler unsererseits. Die Banken müssen zunächst einmal selbst ihr Risiko tragen; dafür haben sie Eigenkapital als Polster. Wir kommen erst dann ins Spiel, wenn die Banken es alleine nicht mehr schaffen sollten und uns um Hilfestellung ersuchen.

Ende der Pressekonferenz.

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